Haiti und Marketing

Haiti ist in aller Munde und in den Medien derzeit so präsent wie schon lange nicht mehr. Schade eigentlich, dass dies nur durch die Erbeben möglich war und man nicht auch so schon vorher auf die Missstände in dem Land aufmerksam machen konnte. Ganze schlaue Marketing Leute setzen nun aber noch einen drauf: Gute Werbung dank der Katastrophe in Haiti…

Unabhängig davon, dass in einiger Zeit garantiert wieder kein Mensch über Haiti sprechen wird, versuchen nun einige Firmen ein wenig ihren Namen ins richtige Licht zu rücken und haben dabei so richtig tolle Ideen im Kopf. Zum Glück sehe nicht nur ich das so, eisy und Bastian haben bereits vor ein paar Tagen dazu etwas geschrieben. Bei den beiden findet ihr auch gleich ein paar schöne Beispiele für solche totalen Marketingfehler.

Das ganze erscheint mir ein wenig wie ein schlechter Trend: Wir spenden pro neuen Twitter-Follower oder Käufer unseres Produkts eine gewisse Summe. Diese Spendensumme wird natürlich im Verhältnis zum Mehrwert für die Firmen lächerlich gering ausfallen. Damit das aber noch nicht genug ist, verlost die PC Welt unter allen neuen Followern auch noch Produkte, welche mehr Kosten als Spenden jemals gezahlt werden.

Wäre es nicht besser, wenn man einfach gleich einen festen Betrag spendet? Den Spendennachweis kann man ja auf seiner Seite veröffentlichen und so sehen die Kunden gleich, dass man als Firma auch etwas Gutes anstellt und nicht nur Geld ansammelt.

Ein wenig besser haben es da die Jungs von print24.de angestellt. Sicherlich geht es aus Sicht der Firma um die Steigerung der Popularität im Netz. Aber hier wurde wenigstens eine Summe von 5000 EUR vorgeschossen, welche garantiert gespendet wird. Ob es mehr wird liegt nun an den Leuten, welche die Aktion unterstützen wollen.

Fakt ist: Das Thema Haiti wird derzeit enorm ausgenutzt und einige Firmen schaden sich mit ihrer „Spendenaktion” mehr als was sie denken.

Wie steht ihr zum Thema Haiti und Marketing? Findet ihr es in Ordnung oder nervt es euch auch nur noch?

15 Kommentare

  1. Alex sagt am 27. Januar 2010:

    Da triffst du es genau auf den Punkt.
    Was sich die PC Welt da ausgedacht hat übertritt jede Grenze des guten Geschmacks…
    Wer spenden will sollte dies über offizielle Hilfsorganisationen oder seriöse Sammlungen tun.

  2. Torsten sagt am 27. Januar 2010:

    Ich finds okay. Warum soll man so eine Spendenaktion nicht mit einer Marketingaktion verknüpfen?

  3. der-nette-seo sagt am 27. Januar 2010:

    Hi Torsten,

    an sich spricht nichts dagegen, wenn man Spenden- und Marketingaktion verknüpft. Aber bei einigen ist das Konzept mehr als falsch. Da werden mehr Gewinne verteilt wie gespendet wird. Auch sehr gut dabei ist Kik: 1 Cent von jedem Einkauf wird gespendet… Da können viele Einkaufen gehen, ehe da eine brauchbare Summe zusammen kommt.

  4. Chris Schulz sagt am 27. Januar 2010:

    Katastrophen-Marketing nervt. Zum Glück gibts es auch sehr viele ehrliche Spendenaktionen - aber die ganzen Online-Shops, die jetzt mit 1 Cent pro Einkauf auf Kundenfang gehen, schön reißerisch mit Website im Haiti-Theme - das ist nur noch ärgerlich. Der gute Zweck heiligt nicht jedes Mittel. Erst recht nicht, wenn die Marketing-Kampagne ein mehrfaches von dem kostet, was durch sie an Spenden zusammenkommt..

  5. Benjamin Wingerter sagt am 27. Januar 2010:

    Wenigstens gelangt die Problematik so in - hey, war Dein Kommentarfeld immer schon so klein?

  6. Michael sagt am 27. Januar 2010:

    Ich finds auch daneben. Sollte man lieber dem Roten Kreuz spenden, da weiß man auch dass es ankommt und nicht irgendwo versandet!
    BTW: das “for” im label-Element für den Spamschutz ist falsch, wenn ich da drauf klicke, dann kommt der Cursor ins falsche Feld. (nur so wegen der Barrierefreiheit)

  7. Thomas sagt am 27. Januar 2010:

    Ich finde es kommt immer ganz darauf an, wie es angeboten wird. Wenn Krombacher für jede verkaufte Kiste Bier ein Baum im Urwald oder so spendet, ist das doch eher positiv, weil sie eben zusätzlich auf das Problem dort hinweisen.
    Der Käufer hat ein gutes Gefühl, dass er auch was dafür getan hat - dann hat doch jeder was davon.
    Seien wir doch mal ehrlich: viele sind doch einfach nur zu faul in solchen Fällen irgendwelche Formulare oder Überweisungen etc. auszufüllen.
    So kann man eben bequem spenden.
    Deshalb verstehe ich nicht, wenn es jemand negativ auffasst. Aber wir haben hier ja Meinungsfreiheit.

  8. Alex sagt am 27. Januar 2010:

    @der-nette-seo: um die Kik-Campagne zu beurteilen müsste man vielleicht wissen, wie viel Kundschaft der Konzern täglich hat. deutschlandweit könnte da am Tag doch schon einiges zusammenkommen.
    Ganz im Gegensatz zu irgendwelchen drittklassigen Onlineshops…

  9. der-nette-seo sagt am 28. Januar 2010:

    Hi Alex,

    naja aber 1 Cent pro Einkauf (nicht pro gekauften Produkt!) ist dennoch lächerlich… Gerade eine größere Firma Kik sollte genug Geld haben um einfach so spenden zu können…

  10. Wolfgang sagt am 29. Januar 2010:

    Sorry Nils zwischen Firmenspenden und Privatspenden gibt es gewaltige Unterschiede und die habe ich hier mal beschrieben: Christlich soziale Verantwortung oder Gemeinsame soziale Verantwortung.

    Die Frage ist immer: Wem ist man gegenüber verantwortlich. Hat man von Gott den Auftrag zu helfen, dann hilft man Jahre vor dem Beben, beim Beben und danach. Ist es eine CSR-Kampagne, dann bezahlt man aus dem Werbeetat einer Firma einen Teil einer Hilfsaktion und ist dann wieder weg.

    Christliche Verantwortung hilft den Menschen vor Ort, CSR verhilft den Firmen hier zu einem Image.

  11. der-nette-seo sagt am 1. Februar 2010:

    Hi Wolfgang,

    im Beitrag geht es aber ggar nicht um Privatspenden, sondern darum, wie die Firmen sinnbefreites Spendenmarketing betreiben, welches in Haiti garantiert keine echte Hilfe ist.

  12. Wolfgang sagt am 1. Februar 2010:

    Es ist mir schon klar und darauf will ich ja hinaus. Wer zur Zeit für Rumänien spendet oder für Afrika, der macht “nichts besonderes” und kommt demzufolge auch nicht in die Presse. Wer aber *jetzt* für Haiti spndet, der kann das Presse- und Werbewirksam ausschlachten.

    Also: CSV - Christlich soziale Verantwortung ist ein Spenden, dass sich an einer Mitverantwortung orientiert und demzufolge auch daran interessiert ist, dass das komplette Projekt realisiert wird. Bei einer CSR-Kampagne ist das unwichtig. Wenn irgendwo in einem Projekt für das “letzte i-Tüpfelchen” noch 1.000 Euro fehlen, wird die nach CSR-Denke niemand mehr spenden, wenn die Werbewirksamkeit nicht sicher gestellt ist.

  13. Alex-2 sagt am 4. Februar 2010:

    Also ich halte von den ganzen Spendenaktionen GAR nichts. Krombacher hat von seinem Projekt angeblich auch nur 0,04 Euro pro Bierkiste gespendet (http://www.charitywatch.de/index.asp?id=252). Wenn das ganze Geld in Haiti ankommt, dann “verteilt” es genau DIE Regierung, die für das ganze momentane Desaster ja verantwortlich ist. Haiti hat sicherlich die letzten Jahre mit Tourismus gut Geld eingenommen. Verteilt wurde es nur an die Politiker-Familien, wie die Posten auch. Warum sollte das jetzt mit frischem Geld anders sein? Ich denke jede Spende an das Rote Kreuz direkt oder den WWF ist besser angelegt…

  14. Dani sagt am 10. März 2010:

    Ich finde es nicht richtig was zur Zeit abgeht.
    Die Spendenbeträge sind ein Witz und es dient mehr der Werbung als dem Zwecke. Könnte mich da so richtig aufregen. Früher hat sich niemand für Haiti interessiert und jetzt kann man aus so einer Katastrophe so richtig Kapital schlagen.
    Die Leute die mit soetwas Werbung machen müssen, die tun mir wirklich leid. Ich spende sehr viel pro Jahr an unterschiedliche Organisationen aber das mache ich nicht wegen der Werbung sondern weil es für mich wichtig ist, zu helfen und das muss man nicht an die große Glocke hängen und öffentlich auf der Website darstellen.

    lg dani

  15. Thomas Kloos sagt am 1. April 2010:

    Ich finde es abscheulich, wenn Katastrophen, oder karritative Projekte, für Marketing ausgenützt werden.

    Business soll in seinem abgesteckten Bereich bleiben und ehrlich zugeben, dass es um Geld geht. Da ist ja nichts Schlechtes dran, aber so tun als ob man hilft, damit aber nur mehr Profit macht, ist unehrlich.

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