Mehrsprachiges Online-Marketing und Suchmaschinenoptimierung

[Gastbeitrag]
Suchmaschinenoptimierung (SEO) ist eines der effizientesten Marketing-Tools, die Unternehmen des 21. Jahrhunderts zur Verfügung stehen. Von PPC und AdWords bis hin zu On Page Optimization und Linkaufbau liegt das Argument für SEO klar auf der Hand: wenn sich bestimmte Ihrer Keywords in den hohen Rankings von Google befinden, wird Ihr Geschäft weitaus wahrscheinlicher florieren, als wenn dies nicht der Fall ist.

Das ist eine Tatsache. Auf dem internationalen Markt sehen Sie sich aber noch weit größeren Schwierigkeiten gegenüber. Beim Einrichten einer fremdsprachigen Website sind eine ganze Menge kultureller und linguistischer Feinheiten zu beachten. Wer dies ignoriert, startet eine ziemlich kontraproduktive Online-Marketing-Kampagne. Ausschlaggebend ist, dass Sie Ihre Zielgruppe nicht nur in einer Sprache ansprechen, die sie versteht, sondern auf eine natürliche Weise, die bei ihr großen Anklang findet. Eine professionell entworfene Website ist nutzlos, wenn ihr Inhalt nichts taugt.

Wie kann ein Unternehmen also seine Online-Präsenz im Ausland ausbauen?

Nun, bevor der SEO-Prozess beginnt, brauchen Sie natürlich zunächst eine fremdsprachige Website auf dem Zielmarkt.

Bevor Sie dies aber in Angriff nehmen, müssen Sie zunächst feststellen, welchen Markt man am besten anspricht. Die Antwort auf diese Frage variiert enorm von Branche zu Branche. Sie müssen den Markt beobachten und feststellen, wo es eine Lücke gibt, die Sie ausfüllen können. Sollte es in einem bestimmten Land bereits andere, ähnliche Unternehmen geben, dann ist dies ein gutes Zeichen, das dafür spricht, dass dort für ein Produkt oder eine Dienstleistung ein tatsächlicher Bedarf besteht. Hüten Sie sich jedoch vor zu vielen Mitbewerbern, da es sehr schwierig werden kann, in einem bereits gesättigten Industriezweig Fuß zu fassen.

Der nächste Schritt besteht im Erwerb eines passenden Domainnamens im jeweiligen Zielland. Dies kann einfach der Name Ihres Unternehmens sein, der durch die länderspezifische Domainendung ergänzt wird, zum Beispiel .es in Spanien oder .fr in Frankreich, oder, falls Ihr Unternehmensname unmittelbar den von Ihnen angebotenen Service widerspiegelt (z.B „Web Design Services”), lassen Sie ihn am besten in die Zielsprache übersetzen und erwerben Sie stattdessen diesen Domain-Namen. Gleichermaßen bedeutsam ist Ihre Wahl eines Webhosts, da der von diesem verwendete Server sich in Ihrem Zielland befinden sollte - Google berücksichtigt die IP-Adresse des Servers in seinen Ranking-Algorithmen.

Nun haben Sie die Grundlage für die Übersetzung Ihrer Website in die gewünschte Sprache geschaffen. Was die Übersetzung des Inhalts angeht, empfiehlt es sich, ein Übersetzungsunternehmen zu beauftragen, das mit professionell qualifizierten Übersetzern im Land der Zielsprache zusammenarbeitet, die ausschließlich IN ihre Muttersprache übersetzen.

Einige Unternehmen mögen versucht sein, eines der vielen kostenfreien Website-Übersetzungstools zu verwenden, die online verfügbar sind. Obwohl diese durchaus nützlich sein können, wenn Sie lediglich den Kerninhalt einer Website in einer Fremdsprache verstehen können müssen, sollten Sie doch klar Abstand von solchen Tools nehmen, wenn es um Ihre eigene Website geht, da die von ihnen gelieferten Übersetzungen alles andere als perfekt sind.

Außerdem macht es sich bezahlt, auf sprachliche Nuancen bei Dialekten zu achten. Das in Frankreich, Belgien, Kanada und der Schweiz gesprochene Französisch ist beispielsweise im Wesentlichen identisch, dennoch gibt es ein paar wichtige Unterschiede. Für Nachlässigkeit ist auf Ihrer übersetzten Website kein Raum. In Kanada heißt eine „E-Mail” z.B. courriel, während sie jedoch in Frankreich schlicht „email” genannt wird. Und während ein dejeuner in Frankreich „Mittagessen” bedeutet, bezeichnet es in Belgien und in der Schweiz das „Frühstück”.

Lokalisierung und SEO gehen Hand in Hand. Was Sie wünschen, sind professionell verfasste und lokalisierte Inhalte - und das bedeutet, dass Sie Ihre Keywords nicht aus dem Englischen übersetzen sollten. Eine korrekte, dem Wörterbuch entnommene Übersetzung eines Keywords oder Ausdrucks ist unter Umständen NICHT das, was Internetbenutzer eingeben, wenn sie ein gewünschtes Produkt oder einen gewünschten Service vor Ort suchen. Sie verwenden vielleicht umgangssprachliche Ausdrücke oder auch ein ganz anderes Wort, das die gleiche Wortbedeutung hat. In der Weise, in der Sie die Keywords Ihrer Branche mit den höchsten Rankings auf dem englischsprachigen Markt identifizieren, wie zum Beispiel mit dem kostenlosen Keyword-Finder von Google, müssen Sie auch die Keywords jedes anderen Ziellandes herausfinden, um dafür zu sorgen, dass Ihre anderssprachige Website richtig optimiert ist.

Sobald Sie Ihre Keywords für jedes Land festgelegt haben, können Sie diese in eine professionell übersetzte Website integrieren.

Dies ist nur das kleine Einmaleins beim Herausbringen einer anderssprachigen Website. Die Bedeutung der Lokalisierung einer Website für ihren Zielmarkt kann nicht genug betont werden und es gibt unzählige kulturelle und linguistische Feinheiten, die es neben dem zuvor genannten zu beachten gilt - aber das allein würde genug Stoff für einen eigenen Artikel liefern!

Über den Autor

Christian Arno ist der Gründer und Geschäftsführer von Lingo24, einem international tätigen Übersetzungsbüro, das sich auf Website-Lokalisierung spezialisiert. Lingo24 ist auf vier Kontinenten für Kunden in mehr als 60 Ländern tätig und rechnet für 2009 mit einem Umsatz von £3,7 Mio.

6 Kommentare

  1. Rosa sagt am 27. November 2009:

    Sehr interessant. Aber ich werde da noch eine Idee dazu hinfügen. Hängt natürlich von der Firmengroße ab… Aber Ein in-house Übersetzer. Jemanden der auch bekannt ist mit dem Ziel von der Webseite.
    Ich habe viele Erfahrungen gehabt mit SEO’ers die einfach die richtige Keywords so und so übersetzt haben wollen - aber meistens klappt sowas natürlich nicht.

    Eigentlich soll sowas eine Kombination von übersetzen und SEO-forschung sein - Forschung die meistens eine Firma selber nicht machen kann weil die eine Sprache nicht auf alle Ebene (die eher genennte subtile Sprach und Dialektunterschiede) beherrschen.

  2. Enis Güler sagt am 16. Dezember 2009:

    Wirklich nett geschrieben. Danke für den ausführlichen Post :) für mich als “Unternehmens-Neulign” genau richtig.

  3. wolfgang sagt am 11. Januar 2010:

    > Ich habe viele Erfahrungen gehabt mit SEO’ers die einfach die richtige Keywords so und so übersetzt haben wollen - aber meistens klappt sowas natürlich nicht.

    SEO-Key-Worte würde ich nur von jemandem Übersetzen lassen bei dem die Muttersprache mit der Zielsprache übereinstimmt und der sich fachlich auskennt. Es gibt in der Elektronik zum Beispiel den Begriff Oszilloskop und auch Oszillograph. Beides meint das gleiche. Die Worte werden nur von unterschiedlichen Personengruppen gesprochen. Es kann gut sein, dass man beide Begriffe abdecken muss, es kann auch sein, dass einer völlig ausreicht und der andere nur unnötigen Traffic erzeugt.

  4. Dirk sagt am 22. Januar 2010:

    …aber Adwords zählt noch nicht zur SEO, oder hab ich da was verpasst???? Ansonsten stimme ich zu, dass ein guter Schreiber/Übersetzer immer sein Geld wert ist!

  5. Jan sagt am 24. Februar 2010:

    Adwords ist sicher ein wichtiges Tool, mit dem man schnell einen Eindruck bekommt, welche Keywords in der jeweiligen Sprache am häufigsten eingegeben werden. Aber es gibt natürlich mehr, der Übersetzer sollte sehr gut bekannt sein mit den Produkten oder Dienstleistungen die verkauft werden, und natürlich die Feinheiten der Zielsprache beherrschen. Für größere Firmen wäre ein In-House Übersetzer wahrscheinlich tatsächlich die beste Strategie.

  6. SEO Agentur sagt am 26. April 2010:

    guter Artikel! Viele Firmen machen den Fehler die einzelnen Sprachversionen der Firmenauftritte in Subdirectories wie z.B. /en aufzusetzen. Oftmals wird sogar der meta-language-tag vergessen oder von der Mutterseite übernommen. Das Resultat ist dann nicht nur “erfolgloses” SEO für die Sprachversionen, sondern möglichweise hat diese Art der Umsetzung sogar negative Folgen für die Mutterseite!

    es ist deshalb wichtig eigene tld´s in den jeweiligen Ländern zu nutzen, oder dann notfalls eben Subdomains statt Subdirectories.

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